In Saas
Almagell war die Wintersaison zu Ende. Die meisten Hotels hatten
bereits geschlossen und ihre Fenster verriegelt. Vom Trubel der
hier noch vor ein paar Wochen herrschte war nichts mehr zu
spüren. Die ruhige Zeit zwischen Ostern und Pfingsten hatte
begonnen, viele Einheimische erholten sich gerade selbst im
Urlaub. Nur einige Arbeiter streiften durch das Dorf,
beschäftigt alles auf Vordermann zu bringen. Musik und
Touristengeschrei waren Hämmern und Maschinenlärm gewichen. Ein
Auto fuhr die Straße zum Mattmarkstausee hinauf an der sich
sonst die Fahrzeuge stauten. Von dort oben haben Besucher die
Möglichkeit kleine Wanderungen zu unternehmen. Doch die Fahrbahn
war noch nicht freigeräumt. Nach wenigen hundert Metern
versperrte eine Schranke den Weg. Jetzt war nur noch ein
weiterkommen mit Fahrrad oder zu Fuß möglich. Zum Abstellen
mehrerer Autos gab es eine kleine Parkbucht. Diese war bereits
von drei Kleinbussen und einem Wohnmobil belegt. Verlassen
standen sie da, nur im Karavan regte sich was. Er war gerade
erst, am frühen Nachmittag eingetroffen.
Uli öffnete die Fahrertür. Es war ein schöner Tag und die Sonne
schien ihm ins Gesicht. Stolz auf sein Fahrzeug, das wieder
zuverlässige Arbeit geleistet hatte, blinzelte er in den Himmel.
Auf der Beifahrerseite stieg Stephan aus, setzte sich die
Gletscherbrille auf und schaute sich um. „Whow hat´s hier wenig
Schnee !“. Das hatten sich die Beiden auf 1700m Höhe anders
vorgestellt. Der Frühling war bereits im vollen Gange. Erste
Blumen spitzten aus den Wiesen und die Westhänge waren weit
hinauf aper. Um sich ein genaueres Bild der Lage machen zu
können gingen die zwei mit Kamera und Foto bewaffnet Richtung
Stausee. Als Stephan und Uli wieder zurück waren stand fest, die
Tourenski mussten morgen früh erst mal eine Stunde getragen
werden. In den Osthängen begann die geschlossene Firnschicht
erst ab 2000 Metern. Nach ausgiebigem Mittagessen wurde der
Aufstieg zur Britanniahütte geplant. Uli gab wichtige
Positionspunkte in sein vor kurzem erworbenes Navigationsgerät.
Stephan checkte die Karten und nahm sich den SAC-Führer noch mal
vor. Auf dem Erkundungsspaziergang hatten die beiden noch drei
Tourengeher getroffen die die geplante Tour als Abfahrt gemacht
hatten. Das war schon mal beruhigend. Es wurde beschlossen früh
um 4 Uhr zu starten, damit der Aufstieg durch den steilen
Osthang möglichst sicher war. Schon bald am Abend gingen die
Lichter im Wohnmobil aus.
Deutlich zeichnete sich die Milchstraße am über und über mit
Sternen verzierten Himmel ab. Da bimmelte der Wecker im Karavan.
Licht wurde eingeschaltet. Nach einem kurzen Frühstück traten
Uli und Stephan vor die Tür. Das Gepäck hatten sie gestern Abend
noch vorbereitet. Jetzt richteten die Kameraden letzte
Kleinigkeiten her. Als auch die Ski am Rucksack verstaut waren
konnte es los gehen. Mit den Stirnlampen am Kopf folgten die
zwei der Straße Richtung See. Eine Stunde später waren die
Tourengeher am Schnee angekommen und schnallten ihre Bretter an
die Füße. Der Rücken dankte es. Das Gepäck für drei Tage auf den
Schultern drückte auch so schon genug. Uli und Stephan
marschierten weiter und zur Morgendämmerung erreichten sie den
First der Staumauer. Der See lag tief im Tal. Man hatte ihn zum
Großteil abgelassen. Stephan und Uli stiegen am Westufer weiter
zur Schwarzbergalp. Hier endete die Straße. Ein steiler mit
Felsblöcken durchzogener Osthang lag nun vor ihnen. Nach einem
kurzen direktaufstieg querten die Bepackten nach Norden und
landeten unter den Eistürmen des Allalingletscherbruchs.
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Aufstiegshang
links am Gletscherbruch vorbei. |
Uli in der
Querung zum Gletscherbruch. |
An der linken
Seite war dieser leicht zu umgehen. Das schwierigste hatten sie
geschafft und 2700m Höhe erreicht. Vorbei an mächtigen
Eismassen, die über eine Kante ins Tal flossen erreichten
Stephan und Uli einen markanten Felsblock im Gletscherkessel.
Dort angekommen wurde erst mal Pause gemacht. Nördlich zeigte
sich in einer Scharte das Ziel die Britanniahütte. Der Tag war
immer noch herrlich, zwar drückten jetzt einige Wolken herein,
die Sonne behielt aber die Übermacht. Sie würden die 3030m hoch
gelegene Hütte zur Mittagszeit erreichen. Da sagte Stephan
plötzlich „Wir könnten gleich unseren ersten Gipfel das
Fluchthorn angehen!“. „Wir lassen alles was wir nicht brauchen
hier am Fels zurück und gehen mit leichtem Gepäck“. Dieser 3790
Meter hohe Berg stand eigentlich erst für morgen auf dem
Programm. Der Weg führte gerade an dessen Fuß vorbei. Ohne Umweg
könnte aufgestiegen werden. Uli stimmte zu „was mir ham ham
mir“. Alles Unnötige wurde in einen Biwaksack gesteckt. Den
deponierte Stephan dann in einer Mulde. 1000 Höhenmeter aufstieg
lagen nochmals vor den beiden.
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Uli am
Gletscherbruch angekommen. |
Uli schlapp am
Gipfelhang zum Fluchthorn. |
Schon leicht
angeschlagen brachen sie auf. Die Luft wurde immer dünner. Der
Aufstieg zur Quälerei. Um 14 Uhr standen zwei glückliche
Tourengeher auf dem Gipfel des Fluchthorns. Die Blicke
schweiften über das Gipfelmeer zur Britanniahütte. Diese war in
weite Ferne gerückt. Man konnte gut den steilen Schlussanstieg
erkennen. Diesen kämpften sich gerade drei kleine Punkte hinauf.
„Das wird noch mal hart“ sagte Stephan bevor er sich an die
herrliche Abfahrt zum Materialdepot machte.
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Uli und
Stephan am Gipfel des Fluchthorns. |
Uli bei der
Abfahrt. |
Ab jetzt ging
es wieder mit vollem Gewicht weiter. Wenigstens hatte es hier
unten mehr Luft für die Lunge. Mit dem Gipfel in der Tasche war
die Unterkunft um halb fünf erreicht. Stephan und Uli saßen im
Gästeraum. Die Britaniahütte war gut besucht. Kein Wunder bei
den Wetteraussichten für die kommenden Tage.
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Stephan mit
Britanniahütte im Hintergrund,. |
Die
Britanniahütte. |
Nach langem
Tiefdruckeinfluss schob sich ein größeres Hochdruckgebiet über
die Walliser Alpen. Als die Flüssigkeitsreserven wieder etwas
gefüllt waren gingen die Beiden zur Anmeldung. Stephan hatte für
drei Nächte vorreserviert. Durch ein Missgeschick leider um
einen Tag falsch. Nach kurzer Diskussion bekamen sie ein Lager
zugewiesen. Als um 20 Uhr das Abendessen verputzt war, vielen
alle müde in die Matratzen.
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